Historische Entwicklung

Der Grundbesitz der Fürst von Thurn und Taxis im Lauf der Jahrhunderte

Nachdem sich 1810 das Haus Thurn und Taxis entschieden hatte, die bayerische Stadt Regensburg als Hauptwohnsitz beizubehalten, nahm man die Verhandlungen mit dem Königreich Bayern wegen der Verstaatlichung der bayerischen Post und der damit einhergehenden Ablösung auf. Das Königreich war bereit, das fürstliche Haus teilweise zu entschädigen, allerdings nicht mit Geld, sondern mit Liegenschaften. Durch Lehenbrief vom 23. April 1812 erhielt Fürst Karl Alexander die Klostergebäude von St. Emmeram in Regensburg, die am Fuß des Bayerischen Waldes gelegenen Herrschaften Wörth und Donaustauf, die Höfe Moritzbrunn und Weißenkirchen im Gebiet von Eichstätt und das Rentamt Meran in Tirol von der Krone Bayern als Erbmannlehen verliehen. Gleichzeitig kaufte der Fürst Waldungen östlich von Regensburg mit einem Umfang von fast 17.000 Hektar.

Konnte auch nach dem Wiener Kongress 1815 in Teilen Deutschlands die taxissche Post als nun Lehenspost deutscher Mittelstaaten weiterbetrieben werden, war doch klar, dass dies nicht ewig währen würde. So investierte man nun gezielt die Gelder aus den Entschädigungen in Grundbesitz.

In Böhmen erwarb der Fürst nach 1820 die Herrschaften Chotieschau, Richenburg, Chraustowitz und Koschumberg mit einer Größenordnung von rund 25.000 Hektar.

Die Einnahmen aus dem neuen Grundbesitz traten nun in ihrer Größenordnung denen aus der Post zur Seite. Nachdem Preußen im Jahr 1867 den verbliebenen taxisschen Postbezirk – übrigens der viertgrößte auf deutschem Boden – auch auf seinem Territorium verstaatlichte, verlagerte sich das Schwergewicht des Unternehmens nun ganz auf die Seite des Grundbesitzes. Eine grundlegende Verwaltungsreform trug diesem Umstand 1881 Rechnung: Das Immediatbüro als Zentrale der Gesamtverwaltung wurde aufgelöst und die mit der Verwaltung des Grundbesitzes betraute Domänenkammer rückte zur wichtigsten Behörde auf. Die laufenden Einnahmen sanken 1867 zunächst fast um die Hälfte ab. Erst nach einem halben Jahrhundert, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, hatte die Domänenverwaltung wieder eine Höhe der laufenden Einnahmen erreicht, die derjenigen der Summe aus Post und Grundbesitz in den 1860er Jahren entsprach.

Die Gelder aus der preußischen Postentschädigung nach 1867 wurden wiederum gezielt in Grundbesitz angelegt. So erwarb Fürst Maximilian Karl die in Preußen gelegene Herrschaft Krotoszyn mit rund 25.000 Hektar. Zusammen mit den bayerischen Territorien von rund 17.000 und den württembergischen von rund 20.000 Hektar war das fürstliche Haus am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der größten Landbesitzer Europas aufgestiegen.

Mit rund 136.000 Hektar Gesamtfläche übertraf der fürstliche Grundbesitz manches damals noch selbständige Staatswesen wie das Fürstentum Lippe mit seinen 120.000 ha.

Verwaltet wurde der Thurn und Taxissche Grundbesitz im Jahre 1899 durch zehn der Domänenkammer unterstellte Ämter mit über 500 Beamten und Bediensteten.

Der Taxissche Grundbesitz bestand zu 74% aus Wald (91.239 Hektar). Besonders hoch war der Waldanteil im bayerischen Rentamt Wörth mit 94%, in den schwäbischen Besitzungen sowie im damals österreichischen Kroatien mit 88%. Geringer war der Waldanteil in den böhmischen Besitzungen mit rund 70%. Den kleinsten Waldanteil hatten Krotoszyn und das Rentamt St. Emmeram mit rund 50%.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Neugründung von Staaten im Osten des ehemaligen Deutschen Reiches bzw. der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die jungen Staaten Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien begannen, ihre inneren Verhältnisse durch Bodenreformen neu zu ordnen. In Jugoslawien war dies bereits 1918 der Fall. In der Tschechoslowakei wurde 1919 die Enteignung allen Grundbesitzes von mehr als 250 ha beschlossen und der Adel abgeschafft. In Polen, dem nun das ehemals preußische Galizien gehörte, wurde 1920 für die Agrarreform ein eigenes Ministerium gebildet, dessen schärfste Maßnahmen sich gegen deutsche Eigentümer wandten.

Die Auswirkungen der Bodenreformen auf den fürstlichen Besitz waren gravierend. Vom fürstlichen Besitz lagen 36.000 Hektar auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland, der Rest des riesigen Besitzes lag in Gebieten, die nach dem Ersten Weltkrieg von den Bodenreformen betroffen waren: 25.000 Hektar in der heutigen Tschechischen Republik, 25.000 Hektar im heutigen Polen und 50.000 Hektar (Banija) im heutigen Jugoslawien, also rund 100.000 lagen im Ausland.

Heute umfasst der Grundbesitz der fürstlichen Familie in der Bundesrepublik Deutschland rund 19.000 Hektar.